Transformations- und Changemanagement: Entwicklung, Wandel oder Veränderung?

Was stößt die Welle an - und wie nimmt man sie wahr?

Die Angst vor Veränderungen nennt man in der Psychologie „Metatesiophobie“. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern „Meta“ (nach, hin), „Thesis“ (auftreten) und „Phobos“ (Furcht“ oder „Angst“) zusammen.

Wie kann man der Angst vor Veränderungen entgegenwirken? Indem man sich klarmacht, dass es verschiedene Formen der Veränderung gibt.

Niemand würde heute noch abstreiten, dass die Komplexität unserer Welt ständig zunimmt. Wie kann es sein, dass Agenturen zwar oft Change Management für ihre Kunden betreuen, aber sich selbst selten an dieses Thema trauen? Hier wollen wir uns auf drei mögliche Bedeutungsmuster von „Change“ konzentrieren:  Entwicklung, Wandel und Veränderung.

Entwicklung ist ein Begriff, der viele verschiedene Verwendungen hatte. Im deutschen Sprachraum denkt man nicht zuletzt an den Entwicklungsroman (etwa Thomas Manns „Der Zauberberg“), der das Leben und die Entwicklung eines Menschen weniger mit Blick auf das Geschehen, sondern mit einem starken Augenmerk auf die geistigen Kräfte, die seine Erkenntnis formen, beschreibt.

Der gemeinsame Nenner: Es geht um eine bewusste Veränderung. Die Richtung bzw. das Ziel sind dabei nicht immer im Voraus völlig klar, ebenso wie nicht klar ist, wann der Moment einsetzt, ab dem eine der auftretenden Kräfte bewusst modelliert. 

Es geht um das Katalysieren eines Prozesses, der zeitlich moderiert ist und eine Einteilung zeigt sowie didaktisch unterstützt und gesteuert wird. 

Ein wirklich alter Begriff ist hingegen Wandel. Er erinnert an Dinge wie Lustwandeln, Bilder aus der Zeit romantischer Literatur von Hölderlin bis E.T.A. Hoffmann werden automatisch heraufbeschworen. 

Seine heutige Verbreitung verdankt das Wort einem scheinbar widersprüchlichen Bonmot Heraklits, das gern bemüht wird, wenn man das ewige Fluidum der Welt beschreiben will:

„Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen“ und „Alles fließt“, so der alte griechische Philosoph. Besonders der erste Satz Heraklits ist durchaus doppelbödig: Denn nicht nur der Fluss ist beim zweiten Hineinwaten ein anderer, auch der Mensch hat sich verändert.
Wandel ist also ein Geschehen, ein Vor-sich-gehen, das unabhängig vom Menschen besteht, das er also nicht bewusst auslöst.

Damit kommen wir zur dritten möglichen Bedeutung von „Change“ im Deutschen. Veränderung bedeutet, dass sich etwas ändert - oder bewusst geändert wird. Die Veränderung ist meist gleich evident, man kann sie messen und beurteilen, mit dem Ausgangszustand vergleichen. Veränderung ist empirisch. 

Eigentlich eine klare Sache. Wie verhält es sich aber, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt erstmalig Werte zu einem Attribut eines Gegenstands oder Sachverhalts erhoben werden? Wenn es diese Eigenschaft bzw. das Attribut vorher nicht gab, hat sich das Ganze verändert. Wenn es sie allerdings schon gab, und lediglich keine Untersuchung stattfand, stellt sich die Frage, warum auf einmal gemessen wurde. Offenbar hat das Attribut eine neue Wertigkeit, die nachvollzogen werden soll. 

Damit bleibt zu konstatieren: Das Wort Veränderung sagt nichts aus über Methoden oder Werte, die der Veränderung vorausgegangen sind. 

In Summe kann man also sagen: 

Entwicklung bedeutet, dass man die Energien des Wandels mit denen der Veränderung kombiniert. Wer den Fokus hier legt, sieht sich als Teil des Systems mit einer klaren Rolle und einer Aufgabe. Die Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen Steuerndem und anderen Teilen des Systems, die sich ggf. selbst steuern sollen, liegen klar auf der Hand.

Setzt man hingegen auf Wandel, liegt das Vertrauen klar auf den Kräften der Selbststeuerung und quasi auf dem „Immunsystem“ einer komplexen Organisation. Wer Teil eines Wandels ist, ist Teil eines Systems ohne besondere explizite Mission.

Veränderung zu guter Letzt ist eine bewusste Sache, ein Entscheidungsprozess. Wer Veränderungen ausruft, vertraut auf die eigene Kraft und Steuerungsfähigkeit. Das setzt aber auch die Bereitschaft des Systems voraus, verändert und gesteuert zu werden.
    

Wie schwer ist wirklich ist, sich mit dem Wandel zu arrangieren, zeigt ein Erlebnis, das Slatco Sterzenbach in seinem Blog schildert. Er hatte während einer Tagung als Sprecher bei einem DAX-Konzern das Publikum dazu aufgefordert, mitten im Vortrag plötzlich einen neuen Platz aufsuchen. Auf dem Weg dahin sollten sie sich zwei Kollegen vorzustellen, die sie noch nicht kannten. Der Unmut im Publikum war nicht gerade verhalten.

Das Lustige war nur: Stenzenbach hielt einen Vortrag über Change-Management und Veränderung. Die komplette Story lesen Sie hier.

Was haben Sie zuletzt für Erfahrungen mit dem Thema Veränderung gemacht? Welchen Ansatz für Veränderung brauchen Sie in Ihrem Unternehmen? Wir freuen uns auf Ihre Einsichten und Anekdoten im Kommentarbereich!

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